Leipzigs erstes Autokino
Den
linken Arm lässig aus dem Fenster baumeln lassen, mit dem rechten
die Freundin an sich drücken, dabei die Füße aufs
Armaturenbrett legen und die Lautsprecher voll aufdrehen - so kann's
zugehen, wenn Filme durch die Windschutzscheibe geguckt werden.
Wer's nicht glaubt, überzeuge sich selbst. Morgen öffnet
auf dem alten Messegelände Leipzigs erstes Autokino.
Offiziell heißt das Projekt "Autokino Alte Messe Leipzig",
startet Freitagabend 22 Uhr auf einem Parkplatz etwa 100 Meter links
hinter dem Nordeingang und steigt fürs Erste bis November.
Initiiert und nach kurzer Genehmingungsphase durch die städtischen
Behörden umgesetzt hat es Jörg Nicolai - aufgrund der
"positiven Erfahrungen", die der 32-Jährige aus Thum
nahe Chemnitz seit 1997 mit seinem Freiluft-Kino auf der Naturbühne
Greifensteine und seit reichlich einem Jahr mit seinem Autokino-Erstling
am Spaßbad Geyer gesammelt hat. Das Motto des gelernten Kochs:
"Was auf dem Land geht, sollte in einer Großstadt wie
Leipzig erst recht funktionieren."
Rund 50.000 Euro wird Nicolai in das Filmtheater ohne Sessel und
Dach investierten - die Platzmiete nicht eingerechnet. 200 Wagen
sollen auf dem Areal hinter den ehemaligen Messe-Restaurants parken
können. Die Zufahrt erfolgt über die Prager Straße.
Unmittelbar hinter dem Nordtor befindet sich die Kasse. Pro Auto-Insasse
sind fünf Euro zu berappen. Außerdem fällig: ein
Euro für die Stellplatz-Miete. Um den Ton zu empfangen, der
von einem UKW-Sender ausgestrahlt wird, müssen Besucher ihre
Autoradios auf die Frequenz 88,7 Megahertz einstellen. Ein Projektor
mit 180 Millimeter Brennweite sorgt auf der Riesenleinwand, die
in einer Ecke des Platzes in zwölf Metern Höhe angebracht
wird, "für eine Bildschärfe, die besser ist als in
normalen Kinos", verspricht Nicolai. Überhaupt habe das
Ganze noch viele andere Vorteile. "Bei uns darf ungehemmt geraucht
werden. Außerdem kann jeder, der unseren Imbiss nicht in Anspruch
nehmen will, Getränke und Lebensmittel von zu Hause mitbringen."
Und gegenüber herkömmlichen Freiluft-Filmtheatern sieht
Nicolai vor allem ein Plus: "Wir spielen bei jedem Wetter."
Zweimal täglich flimmert's künftig auf der Alten Messe
- anfangs um 22 und 24 Uhr, sobald es wieder früher dunkel
wird um 21 und 23 Uhr. In der Premieren-Woche läuft um 22 Uhr
"Spiderman", um 24 Uhr die deutsche Komödie "Was
nicht passt, wird passend gemacht". Donnnerstags ist wie bei
den Lichtspielhäusern auch Programm-Wechsel.
D. Welters
© Leipziger Volkszeitung vom Donnerstag, 18. Juli 2002
|